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Der Meiterdorfer Schnitzaltaltar von 1521 in der Kirche Kleinern (drei Beschreibungen)

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Schnitzaltar von 1521

 

Schnitzaltar von 1521

Schnitzaltar von 1521

LLVM QVE

GENVIT ADORAVIT

(Den sie geboren hat,

hat sie angebetet)

Schnitzaltar von 1521

 

Schnitzaltar von 1521

 

Schnitzaltar von 1521

 

Schnitzaltar von 1521

Beschreibung des Schnitzaltars von Siegrun Graaf, Dormagen

Wer sich Kleinern nähert, dem fällt auf, dass dieses Dorf von einer, im Vergleich mit den Nachbarorten, ungewöhnlich großen Kirche überragt wird. Dieses markante Bauwerk mit seinem eigenwilligen Turm erinnert mich an eine Glucke, um die sich die Häuser gleichsam wie Küken scharen. Dieser Eindruck ist besonders stark, wenn man von Westen her nach Kleinern kommt.

Die Kirche macht neugierig auf das, was sie im Inneren an Schönheiten birgt, und da wird der Besucher nicht enttäuscht werden.

Seit vielen Jahren fasziniert mich immer wieder aufs Neue der schöne dreiflügelige Altar aus dem Jahr 1521; welch ein Glück, dass er die Wirren der Jahrhunderte überstanden hat!

Von den gemalten Seitentafeln gefällt mir besonders die linke: Maria, die Mutter Jesu, wird allein durch ihre Größe als wichtigste Person dieses Bildes gezeigt. Josef hält sich bescheiden im linken Teil des Gemäldes auf und kümmert sich um eine Laterne. Vorne im Bild knien und drängeln sich die Stifterfiguren. Sie möchten alle Anteil am Heilsgeschehen haben.

Die rechte Tafel zeigt die Märtyrer Katharina, Laurentius und Lucia mit ihren Folterwerkzeugen.

Am lebendigsten erscheint mir aber das Mittelfeld des Altars. Durch das Schnitzwerk wird eine große Tiefe erzeugt. Im Hintergrund ist Jerusalem zu sehen, so wie der Künstler es sich damals vorstellte. Das Kreuz mit dem leidenden Christus steht im Vordergrund dieses vielschichtigen Ereignisses auf einem Felsen, der einen Totenschädel freigibt. Links des Kreuzes sind die Trauernden und Mitleidenden zu sehen, wie sie mir aus unzähligen Darstellungen bekannt sind.

Doch nicht nur das religiöse Geschehen wird hier gezeigt, sondern auch das Profane und Menschliche: Wie schön sind die edlen Rösser im Mittelgrund dargestellt! Sie und ihre Reiter zeigen sich in stolzer Haltung und prächtig herausgeputzt. Im rechten Vordergrund schließlich die für mich auffälligsten Gestalten: Mehrere Männer im intensiven Gespräch miteinander. So, wie sie sich darstellen, zeigen sie Selbstbewusstsein, Reichtum und Eitelkeit; es sind Menschen zum Anfassen! Welch eine fantasievolle Herrenmode wird dem Betrachter präsentiert: farbenfrohe Gewänder mit Falten, Biesen und Stulpen.

Bewundernswert die Beinkleider des Herrn mit dem feisten Gesicht: Das eine Hosenbein endet unterhalb, das andere sehr weit oberhalb des Knies und lässt somit einen Teil des Oberschenkels unbedeckt.

Dafür ist das Knie dieses Beins besonders hübsch verpackt. Auch die Schuhmode ist sehenswert. Einigen Personen dieser Gruppe entgeht völlig, welch wichtiges Ereignis sich in ihrer Nähe abspielt, sie sind mit sich vollauf beschäftigt. Selbst der Verbrecher am rechten Kreuz zeigt sich eitel bis in den Tod: er hängt bunt gewandet am Kreuz.

Ich kenne diesen Altar nunmehr seit Jahrzehnten und staune immer wieder über seine Ausdruckskraft. Welch ein Schatz in Kleinern!


Beschreibung des Schnitzaltars von Pfarrer Ludwig Schluckebier

Pfarrer im Kirchspiel Kleinern von 1888 bis 1921

Der Schnitzaltar der Kirche zu Kleinern ist ebenso wie der zu Braunau und der zu Külte aus der Werkstatt der Franziskaner zu Meiterdorf bei Frankenberg hervorgegangen.

An demselben sieht man hinten den gestirnten blauen Himmel und die Zinnen von Jerusalem, unter dem Kreuze die Landsknechte mit Morgenstern und Hellebarde, Krieger in versilberter Rüstung, Anführer mit Federhut und Türkensäbel, Frauen in Haube, Barett und goldschimmerndem Gewande. Links vom Beschauer hängt der reuige Schächter, und auf seiner Seite zeigen sämtliche Personen eine anbetende Haltung, rechts, auf der Seite des unbußfertigen Schächers bemerkt man gleichgültige oder feindliche Mienen. Oberhalb der Menge nähern sich zum Kreuze hoch zu Ross die Stifter des Bildwerks, ein Herr von Geismar und seine Gemahlin. Die Seitenflügel dienten damals dazu, das Bild schrankartig zu verschließen. Auf ihren vier Seiten finden sich Ölgemälde auf Leinwand, die zwar stark beschädigt, aber von künstlerischem Werte sind. Sie zeigen die Anbetung des Jesuskindes durch die Weisen aus dem Morgenlande, durch drei Heilige: Laurentius, Lucia und einem Dritten, dessen Name nicht mehr sichtbar ist, endlich auch die beiden Stifter mit ihren Kindern, gekennzeichnet durch ihre Wappen, den Geismarschen springenden Hirsch und einen strömenden Fluss als Wappen der Frau, einer geborenen von Gilsa.

Auszug aus dem Heimatbuch "Geschichte des Marktfleckens Kleinern" (ca. 1911 bis 1915) von Ludwig Schluckebier


Beschreibung des Schnitzaltars von Pfarrer Friedrich Richartz

Pfarrer im Kirchspiel Kleinern von 1956 bis 1984

Der Schnitzaltar besteht aus einem geschnitzten Mittelschrein und zwei doppelseitig bemalten Tafeln. Material: Lindenholz mit Temperamalerei auf Kreidegrund. Fassung und Vergoldung ursprünglich bei größeren Fehlstellen. Im Jahr 1955 wurde der Altar in der Werkstatt des Landeskonservators sorgfältig wiederhergestellt. Man ging auch dem Holzwurm zu Leibe. Wegen des besseren Erhaltungszustandes der Außenseiten wurden die Flügel umgehängt, so dass ihre Außenseiten heute die Innenseiten bilden. Gitterschraffierungen weisen darauf hin, dass an diesen Stellen in früheren Zeiten Restaurationen vorgenommen wurden. Das ist heute nicht mehr üblich.

Immer wieder wurden bemalte Teile durch Sonneneinstrahlungen ausgetrocknet und bröckelten ab. Aus diesem Grunde erhielt die Kirche im Jahre 1964 neue Fenster mit Spezialglas, das zwar das Kirchenschiff etwas verdunkelt, aber die schädlichen ultravioletten Strahlen abhält.

Der Mittelschrein: Figurenreiche Darstellung der Kreuzigung Christi. Christus am Kreuz, an den Seiten die beiden Übeltäter. Am Fuße des Kreuzes die Hl. Magdalena, links davon “Mariä Ohnmacht“ und Johannes. Im Hintergrund Soldaten und Reiter in modischer Rittertracht. Dahinter in felsiger Landschaft eine Stadtansicht von Jerusalem. Als Abschluss in den oberen Eckzwickeln Baldachine aus Akanthusranken in gotisierendem Renaissancestil. Datiert am Stadttor im Hintergrund: 1521.

Altartafeln: Temperamalerei auf Kreidegrund. Eichenholz, teilweise mit Leinwand überzogen.

Linker Flügel, Vorderseite: Geburt Christi. Das Christkind liegt auf dem Boden des Stalles auf dem Mantelsaum der Maria. Maria kniet anbetend zur Linken. Rechts, mit einer Kerze in der Hand: Joseph. Zwischen beiden die Köpfe von Esel und Rind. Im Hintergrund: Mauer, Pfosten und Strohdach des Stalles mit Ausblick in eine Landschaft. Goldnimben. Am unteren Rande die Inschrift: “Illum quem genuit adoravit“. Zu deutsch: “Den, den sie geboren hat, hat sie angebetet“.

Rückseite: Noch einmal die Darstellung der Geburt Christi. Das Kind liegt in der Wiege, von einer goldenen Mandorla umgeben. Zur Rechten kniet Maria in betender Stellung. Links hält Joseph eine Laterne in der Hand. Zwischen beiden die Köpfe von Rind und Esel. Im Hintergrund der Stall und Ausblick in eine Landschaft. Auf der linken Seite ganz klein die Verkündigung an die Hirten. Im Vordergrund kniend die Stifter: Curt von Geismar mit seinen sechs Söhnen, rechts seine Gemahlin, eine geborene von Gilsa mit ihren vier Töchtern. Am unteren Rande links das von Geismar'sche Wappen: ein springender Hirsch, rechts das von Gisa'sche Wappen: drei diagonale Wellenbänder. Dazwischen die Inschrift: “Illum quem adoravit“. Rundbogige Architekturumrahmurig, in den Zwickeln Wappenschilde.

Rechter Flügel, Vorderseite: Links der Hl. Laurentius in Diakonentracht mit dem Rost, rechts die Hl. Barbara mit dem Turm. Am unteren Rande die Inschriften: Sanctus Laurentius, Sancta Barbara. Der Hintergrund weinrot.

Rückseite: Drei stehende Heilige, in der Mitte wieder Laurentius mit dem Rost, links die Hl. Catharina, rechts die Hl. Lucia. Im Hintergrund: Landschaft. Rundbogige Architekturumrahmung, in den Zwickeln: Wappenschilde.

 

 

 

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