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LLVM QVE
GENVIT ADORAVIT
(Den sie geboren hat,
hat
sie angebetet)




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Beschreibung des Schnitzaltars von
Siegrun Graaf, Dormagen
Wer sich Kleinern nähert,
dem fällt auf, dass dieses Dorf von einer, im Vergleich mit den Nachbarorten,
ungewöhnlich großen Kirche überragt wird. Dieses markante Bauwerk mit seinem
eigenwilligen Turm erinnert mich an eine Glucke, um die sich die Häuser
gleichsam wie Küken scharen. Dieser Eindruck ist besonders stark, wenn man von
Westen her nach Kleinern kommt.
Die Kirche macht neugierig auf das, was sie im Inneren an
Schönheiten birgt, und da wird der Besucher nicht enttäuscht werden.
Seit vielen Jahren
fasziniert mich immer wieder aufs Neue der schöne dreiflügelige Altar aus dem
Jahr 1521; welch ein Glück, dass er die Wirren der Jahrhunderte überstanden hat!
Von den gemalten Seitentafeln gefällt mir besonders die
linke: Maria, die Mutter Jesu, wird allein durch ihre Größe als wichtigste
Person dieses Bildes gezeigt. Josef hält sich bescheiden im linken Teil des
Gemäldes auf und kümmert sich um eine Laterne. Vorne im Bild knien und drängeln
sich die Stifterfiguren. Sie möchten alle Anteil am Heilsgeschehen haben.
Die rechte Tafel zeigt die Märtyrer Katharina, Laurentius und
Lucia mit ihren Folterwerkzeugen.
Am lebendigsten erscheint mir aber das Mittelfeld des Altars.
Durch das Schnitzwerk wird eine große Tiefe erzeugt. Im Hintergrund ist
Jerusalem zu sehen, so wie der Künstler es sich damals vorstellte. Das Kreuz mit
dem leidenden Christus steht im Vordergrund dieses vielschichtigen Ereignisses
auf einem Felsen, der einen Totenschädel freigibt. Links des Kreuzes sind die
Trauernden und Mitleidenden zu sehen, wie sie mir aus unzähligen Darstellungen
bekannt sind.
Doch nicht nur das religiöse Geschehen wird hier gezeigt,
sondern auch das Profane und Menschliche: Wie schön sind die edlen Rösser im
Mittelgrund dargestellt! Sie und ihre Reiter zeigen sich in stolzer Haltung und
prächtig herausgeputzt. Im rechten Vordergrund schließlich die für mich
auffälligsten Gestalten: Mehrere Männer im intensiven Gespräch miteinander. So,
wie sie sich darstellen, zeigen sie Selbstbewusstsein, Reichtum und Eitelkeit;
es sind Menschen zum Anfassen! Welch eine fantasievolle Herrenmode wird dem
Betrachter präsentiert: farbenfrohe Gewänder mit Falten, Biesen und Stulpen.
Bewundernswert die
Beinkleider des Herrn mit dem feisten Gesicht: Das eine Hosenbein endet
unterhalb, das andere sehr weit oberhalb des Knies und lässt somit einen Teil
des Oberschenkels unbedeckt.
Dafür ist das Knie dieses Beins besonders hübsch verpackt. Auch die Schuhmode
ist sehenswert. Einigen Personen dieser Gruppe entgeht völlig, welch wichtiges
Ereignis sich in ihrer Nähe abspielt, sie sind mit sich vollauf beschäftigt.
Selbst der Verbrecher am rechten Kreuz zeigt sich eitel bis in den Tod: er
hängt bunt gewandet am Kreuz.
Ich kenne diesen Altar nunmehr seit Jahrzehnten und staune immer wieder über
seine Ausdruckskraft. Welch ein Schatz in Kleinern!
Beschreibung des Schnitzaltars
von Pfarrer
Ludwig Schluckebier
Pfarrer im Kirchspiel Kleinern von 1888 bis 1921
Der Schnitzaltar der Kirche zu Kleinern ist
ebenso wie der zu Braunau und der zu Külte aus der Werkstatt der
Franziskaner zu Meiterdorf bei Frankenberg hervorgegangen.
An demselben sieht man hinten den gestirnten
blauen Himmel und die Zinnen von Jerusalem, unter dem Kreuze die
Landsknechte mit Morgenstern und Hellebarde, Krieger in versilberter
Rüstung, Anführer mit Federhut und Türkensäbel, Frauen in Haube,
Barett und goldschimmerndem Gewande. Links vom Beschauer hängt der
reuige Schächter, und auf seiner Seite zeigen sämtliche Personen
eine anbetende Haltung, rechts, auf der Seite des unbußfertigen
Schächers bemerkt man gleichgültige oder feindliche Mienen. Oberhalb
der Menge nähern sich zum Kreuze hoch zu Ross die Stifter des
Bildwerks, ein Herr von Geismar und seine Gemahlin. Die Seitenflügel
dienten damals dazu, das Bild schrankartig zu verschließen. Auf
ihren vier Seiten finden sich Ölgemälde auf Leinwand, die zwar stark
beschädigt, aber von künstlerischem Werte sind. Sie zeigen die
Anbetung des Jesuskindes durch die Weisen aus dem Morgenlande, durch
drei Heilige: Laurentius, Lucia und einem Dritten, dessen Name nicht
mehr sichtbar ist, endlich auch die beiden Stifter mit ihren
Kindern, gekennzeichnet durch ihre Wappen, den Geismarschen
springenden Hirsch und einen strömenden Fluss als Wappen der Frau,
einer geborenen von Gilsa.
Auszug aus dem Heimatbuch "Geschichte des
Marktfleckens Kleinern" (ca. 1911 bis 1915) von Ludwig Schluckebier
Beschreibung des Schnitzaltars
von Pfarrer Friedrich Richartz
Pfarrer im Kirchspiel Kleinern von 1956 bis 1984
Der Schnitzaltar besteht aus einem geschnitzten
Mittelschrein und zwei doppelseitig bemalten Tafeln. Material: Lindenholz
mit Temperamalerei auf Kreidegrund. Fassung und Vergoldung ursprünglich
bei größeren Fehlstellen. Im Jahr 1955 wurde der Altar in der Werkstatt
des Landeskonservators sorgfältig wiederhergestellt. Man ging auch dem
Holzwurm zu Leibe. Wegen des besseren Erhaltungszustandes der Außenseiten
wurden die Flügel umgehängt, so dass ihre Außenseiten heute die
Innenseiten bilden. Gitterschraffierungen weisen darauf hin, dass an
diesen Stellen in früheren Zeiten Restaurationen vorgenommen wurden. Das
ist heute nicht mehr üblich.
Immer wieder wurden bemalte Teile durch Sonneneinstrahlungen
ausgetrocknet und bröckelten ab. Aus diesem Grunde erhielt die Kirche im
Jahre 1964 neue Fenster mit Spezialglas, das zwar das Kirchenschiff etwas
verdunkelt, aber die schädlichen ultravioletten Strahlen abhält.
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