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Das ehemalige Schloss Christiansburg (1662 bis 1710) - Daten, Fakten, Hintergründe

Christiansburg

Das Bild ist eine Rekonstruktionszeichnung von Wolfgang Wolkers nach Bauzeichnungen des Mengeringhäuser Baumeisters Emanuel Brand.

 

Schloss Christiansburg

Modell vom ehemaligen Schloss Christiansburg. Standort: Pavillon in der Wesetalstraße.   Foto: Ortsvorsteher Waid, 24. August 2010

Geschichte

Im Jahr 1660 übernahm Graf Christian Ludwig von Waldeck (1635 bis 1706, Wildunger Linie) von der im Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) völlig verarmten Familie von Geismar deren Ländereien, Jagdgründe und ihr Kleinersches Burggut mit Herrensitz.

Entstehung des Schlosses / Architektur

Christian Ludwig ließ den überwiegenden Teil der Burg abreißen

und errichtete ein für einen regierenden Grafen angemessenes

Schloss, die Christiansburg, welche er nach Fertigstellung im

Jahr 1662 mit seiner Familie, dem Hofstaat, der Kanzlei und der

dazugehörigen Beamten- sowie Dienerschaft bezog. Die Anlage

war vierflügelig, mit quadratischem Innenhof, und umgeben von

einem Wassergraben. Der zur Straße gelegene Flügel war

zweigeschossig und hatte eine Toreinfahrt. Links schloss sich

ein ebenfalls zweigeschossiger Flügel mit einem zum Hof hin

offenen Arkadengang im Renaissancestil an in dessen Obergeschoss sich ein großer Festsaal mit offenem Kamin befand. Innerhalb von zwei Jahren war aus dem durch den Dreißigjährigen Krieg stark zerstörten und geplünderten Dorf eine schmucke kleine Residenz geworden (von 34 Wohnhäusern zu Beginn des Krieges standen 1660 nur noch 15 teilweise verlassene Häuser).

Geschichtliche Hintergründe /

ca. 45 jährige Nutzungsphase des Schlosses

1625 gelangte durch Erbvertrag die Grafschaft Pyrmont an die Grafen von Waldeck, die sich fortan Grafen von Waldeck und Pyrmont nannten. Regierender Graf wurde 1664 Georg Friedrich (1620 bis 1692, Eisenberger Linie), der 1682 von Kaiser Leopold I. als Fürst von Waldeck in den Reichsfürstenstand erhoben wurde. Nach Georg Friedrichs Tod 1692 gelangte sein Vetter Graf Christian Ludwig von Waldeck in den Alleinbesitz der Gesamtgrafschaft (Seit 1685 gab es im Hause Waldeck eine vertraglich geregelte Erbfolge, bei der nur der Erstgeborene das Erbe antrat und sämtliche Geschwister ausgeschlossen blie-

ben. Ein Hausvertrag / Primogeniturstatuts regelte, dass die

gesamte Grafschaft künftig in einer Hand vereinigt sein sollte).

Dies hatte zur Folge, dass Kleinern - da zu sehr abseits gelegen - als Regierungssitz für das Fürstentum Waldeck und Pyrmont ausschied. Deshalb - und weil er in die Stellung seines außergewöhnlich erfolgreichen und hoch angesehenen Vetters Georg Friedrich einrücken wollte - verlegte Christian Ludwig 1695 seine Residenz in das zentraler gelegene Arolsen.

Sein Sohn Friedrich Anton Ulrich (1676 bis 1728) hielt Kleinern vorerst die Treue und bewohnte mit seiner Gemahlin  Louise, Pfalzgräfin von Birkenfeld, nach wie vor Schloss Christiansburg. Nach dem Tode seines Vaters 1706 übernahm Friedrich Anton Ulrich  die Regierungsgeschäfte und verlegte seine Residenz ebenfalls nach Arolsen.

Diese fast 40 Jahre - in denen Kleinern der Regierungssitz der Grafen von Waldeck (Wildunger Linie) war - sind wohl das schillerndste Kapitel in der Geschichte des Dorfes. Garten- und Saalfeste mit Hofstaat und dem Adel aus der Umgebung sowie ausschweifende Jagden waren an der Tagesordnung. Gefeiert wurde bis in die frühen Morgenstunden. In dieser Zeit sprach man in und um Kleinern nur von "Lustig" Kleinern (das war damals allerdings verächtlich gemeint, die Bevölkerung musste trotz harter Arbeit darben und "die da oben" ließen es sich auf Kosten der armen Leute gut gehen). Die Bezeichnung "Lustig" - jetzt mit anderer Bedeutung - ist aber bis heute erhalten geblieben und findet sich auch in dem im Jahr 2002 (777-Jahrfeier) entstandenen Kleinerschen Logo wieder.

Fürst Friedrich Anton Ulrich ließ Christiansburg abreißen (Fürstenwürde verliehen 1712)

Später, als Regierender des Fürstentums Waldeck und Pyrmont, ließ Fürst Friedrich Anton Ulrich die Christiansburg abreißen (um 1710), so dass von der über vier Jahrzehnte entstandenen Pracht leider nichts erhalten geblieben ist.

Warum er das tat ist nicht ganz geklärt. Eine These sagt, die zum Schloss gehörenden Jagdgründe sollten nicht in die Hände seines jüngeren Bruders fallen. Da vom Schloss Christiansburg aber keinerlei Überreste mehr in Kleinern vorhanden sind, ist These zwei plausibler: Ab 1710 entstand unter der Regie von Fürst Friedrich Anton Ulrich das Barockschloss Arolsen und dafür wurden viele, sehr viele Sandsteine benötigt ...

Schloss Christiansburg stand einst südlich der Wesetalstraße, gegenüber dem 1972 / 73 entstandenen Dorfgemeinschaftshaus, noch vor dem heutigen Sportplatz (Hof Brüne). 

 

 

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